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Neurologie & Psychiatrie

Depressionen: Diagnose

Definition der depressiven Episode nach ICD-10

Bei einer depressiven Episode müssen mindestens 2 der folgenden 3 Symptome an den meisten Tagen über mindestens 2 Wochen vorliegen: (1) depressive Stimmung, (2) Interessen- oder Freudlosigkeit, (3) verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit.

Und zusätzlich aus folgender Liste 1 bis 4 Symptome für eine leichte depressive Episode, 5 bis 6 Symptome für eine mittelgradige depressive Episode und mindestens 8 Symptome für eine schwere depressive Episode:

Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls, unbegründete Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle, wiederkehrende Gedanken an Tod oder Suizid, suizidales Verhalten, Klagen oder Nachweis von Denk- oder Konzentrationsstörungen, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit, psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung (subjektiv oder objektiv), Schlafstörungen, Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung.

Zusätzlich wird noch unterschieden, ob ein somatisches Syndrom vorliegt oder nicht: Früherwachen, Morgenpessimum, Appetitverlust, Libidoverlust, psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit, mangelnde emotionale Reaktionsfähigkeit. (Anmerkung: Die meisten schweren depressiven Episoden gehen mit einem somatischen Syndrom einher.)

Liegen zusätzlich Wahnideen (nicht bizarr oder kulturell unangemessen) oder Halluzinationen (keine kommentierenden Stimmen) oder ein depressiver Stupor vor, wird die Diagnose „Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen“ gestellt.

Formen und Verlauf der Depression

Eine depressive Episode kann als einzelne depressive Episode auftreten, im Rahmen einer rezidivierenden Depression oder bipolaren Störung vorkommen. Die ursprüngliche Einteilung in neurotische und endogene depressive Störung wurde im ICD-10 und DSM-IV aufgegeben.

</b>Neben der depressiven Episode werden auch die chronische subdepressive Störung: Dysthymie und die Zyklothymie unterschieden. Eine besondere Form der depressiven Störung ist die saisonal affektive Störung, die sog. Herbst-Winter-Depression.

</b>Bei der Dysthymie besteht über die letzten 2 Jahre in mehr als der Hälfte der Tage ein subdepressives Zustandsbild. Bei der Zyklothymie wechseln sich subdepressive Phasen mit hypomanen Phasen ab.

</b>Ein depressives Syndrom kann auch in Zusammenhang mit schweren körperlichen Erkrankungen auftreten, im Zusammenhang mit organischen psychischen Störungen, wie Demenz oder Delirium, und natürlich auch bei den schizophrenen Störungen. Bei der Herbst-Winter-Depression beschränkt sich die depressive Symptomatik auf die „dunkle Jahreszeit“.

Prävalenz

Die 12-Monats-prävalenz der Depression beträgt 7%. Etwa 20% der Bevölkerung leiden mindestens einmal im Leben an einer depressiven Störung. Frauen sind deutlich häufiger von einer Depression betroffen als Männer. Etwa 10-15% der Depressionen chronifizieren. In der Praxis des Allgemeinmediziners ist mit Prävalenzen bis zu 25% zu rechnen.

Screening Fragen zur Depression

Fragen nach den Kernsymptomen der Depression:
Haben Sie sich im letzter Zeit depressiv, niedergeschlagen oder hoffnungslos gefühlt? Haben Sie in letzter Zeit Freude und Interesse an Dingen, die Ihnen üblicherweise Freude bereitet haben, verloren? Haben Sie in letzter Zeit Ihre Energie, Ihren Antrieb verloren, fühlen Sie sich in letzter Zeit ständig erschöpft?

</b>Sind mindestens 2 der Kernsymptome vorhanden, sollte nach weiteren Symptomen gefragt werden.

Ätiologie

Für die Depression nimmt man eine multifaktorielle Ätiologie an. Ausgehend vom biopsychosozialen Modell finden sich auf den drei Ebenen Faktoren, die zur Depression prädisponieren (z.B. genetische Disposition, biographische Belastungen), diese auslösen bzw. sie aufrechterhalten oder verstärken (z.B. körperliche Faktoren, aktuelle psychosoziale Belastungen, hirnorganische Faktoren, Lichtmangel, etc.).

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Letztes Update:25 Februar, 2009 - 16:52